Oft muss erst ein schwerer Schicksalsschlag eintreffen, bevor man sich Gedanken um sich selbst und sein Leben macht. Wer bin ich denn wirklich? Was macht mich aus? Woher komme ich? Was sind meine Wünsche und Träume? Und sind es wirklich meine Träume oder nur Inspirationen und die Träume anderer? Klar hab ich mir diese Fragen auch schon vorher gestellt, aber wirklich tief bin ich dabei nie gegangen. Als Kind stellte ich mir immer vor, ich wäre in einem Spiel die Hauptfigur und irgendjemand spielt gerade mein Leben. Irgendwann würde ich aufwachen. Oft lag ich auch in meinem Zimmer und starrte die Glühbirne an der Decke an, bis mein Auge jede Menge farbig tanzende Formen sah und sie beobachtete. Und an einen Gedanken kann ich mich auch noch ziemlich gut erinnern, ich weiß auch nicht warum ich auf so einen absurden Gedanken kam aber ich teile ihn einfach mal – und zwar stellte ich mir vor, wie mit mir die Welt untergehen würde. Wie kommt man als Kind auf so einen Gedanken?
Als Kind glaubte ich noch an Gott, ich wurde katholisch erzogen. Mit der Pubertät entfernte ich mich immer mehr davon. Obwohl ich in eine katholische Mädchenschule ging, sagte ich immer Atheistin zu sein. Wobei ich trotzdem noch glaubte, dass es da irgendwas gab, nur nicht das, was uns in der Bibel und in der Kirche erzählt wurde. Für mich waren das einfach nur Märchen, die irgendwann mal jemand erfunden hat.
Als ich meinen Mann kennenlernte, animierte er mich regelmäßig mit ihm zu meditieren. Er meditierte schon über ein Jahrzehnt und interessierte sich unter anderem für den Buddhismus, Kampfkunst und Atemtechniken. Ich war immer offen für Neues und machte oft mit ihm mit.
Vor allem nach meiner Diagnose, fing ich mir immer mehr Gedanken über mich, mein Leben und wie ich mich heilen konnte, zu machen. Ich las Bücher über Selbstheilungskräfte, stellte mir bei jeder Bestrahlung so gut es ging vor, dass heilendes Licht in mich dringt, dass kleine Männchen mit Laserpistolen auf die Metastasen schießen und sie so verschwinden. Stellte mein Ernährung um, ernährte mich drei Monate vegan, dann vegetarisch (bis heute noch). Zucker ließ ich eine Weile auch weg und war da wirklich konsequent, aber halt leider nicht dauerhaft.
Ich schaute mir immer mehr spirituelle Videos auf YouTube an, anfangs waren es noch Videos in denen man einen Stapel von Orakelkarten intuitiv auswählt und dazu eine Botschaft erhält. Ich staunte, wie oft sie so gut passten. Dann entdeckte ich sogenannte Medien der neuen Zeit und erfuhr von den Hellsinnen, den Geistführern, dem geistigen Team, den Engeln, Meistern, Krafttieren usw. Das alles zog mich so in seinen Bann, dass ich immer mehr erfahren wollte.
Der Wunsch wurde immer größer selbst meine Hellsinne bewusst zu entdecken und zu erwecken. Ich wollte auch Kontakt zu meinem geistigen Team aufnehmen und channeln können. Dabei machte ich auch wirklich tolle Kurse. Aber bis heute bin ich nicht soweit um sagen zu können, dass ich das drauf hab und meine Hellsinne aktiviert sind. Eine Zeit lang, machte ich mir da unbewusst wirklich Druck weil es so eine Sehnsucht von mir war. Mittlerweile bin ich soweit, dass ich es locker sehe.
Zum einen Teil spielt da sicher meine faule und inkonsequente Ader mit und zum anderen stellt sich mir auch die Frage, ob es für mich überhaupt bestimmt ist? Vielleicht möchte meine Seele ja eine ganz andere Erfahrung machen?
Tja, das ist auch so ein Thema, das mich brennend interessiert – welche Erfahrung möchte denn meine Seele hier auf Erden machen? Krebs zu haben ist mal schon klar und daraus zu wachsen auch. Aber das kann doch nicht alles sein oder? Eine Frau sagte mir mal, dass ich in einem früheren Leben schon mal Krebs hatte, damals die Medizin aber noch nicht so weit war und ich auch keinen Rückhalt von meinem Mann hatte. Ich hätte mir diese Erfahrung, mit besseren Bedingungen, nochmals ausgesucht. Wenn das tatsächlich so ist, dann möchte meine Seele doch bestimmt in dieser Erfahrung nicht noch einmal an Krebs sterben, sondern die Selbstheilung erfahren?! Ich versuch mir das mal so positiv wie möglich auszumalen. Dazu könnte man verschiedene Theorien haben aber ich stell mir für mich die beste und logischste vor. Man weiß ja nicht ob es wirklich wahr ist, ich kann es ja nicht überprüfen. Aber so ist es mit allem, was das Auge nicht sieht – man glaubt daran oder eben nicht, dabei muss jeder nach seinem Gefühl gehen und diesem vertrauen. Was für den einen wahr ist, kann für den anderen das Gegenteil sein, aber beide haben Recht.

