bearbeitet 9625

Mein Widerstand gegen die Stille

Warum fällt es mir so schwer, einfach mal nichts zu tun? Den Pause Knopf drücken und Stillstand zulassen. Aber nein, auch wenn mein momentaner Gesundheitszustand sowieso keine großartigen Aktionen zulässt, schaff ich es absolut nicht abzuschalten – sei es den Kopf, oder der Drang irgendetwas tun zu müssen. Ich kann doch nicht einfach Zeit verplempern? Allein mit mir und meinen Gedanken? Phuuu, langweilig und anstrengend. Immer wieder greift meine Hand reflexartig nach dem Smartphone. Ja nicht mit mir Selbst sein. Es ist immer wieder das gleiche, ich nehme mir vor, nichts zu tun, nur dasitzen und blöd schauen – blöd schauen kann ich ganz gut, aber für längere Zeit einfach nur dasitzen ohne irgendetwas zu lesen, anzuschauen, zu stricken, häkeln oder sonst was zu tun? Nein, nein, nein, das macht mein Ego nicht mit. Alles was ablenkt ist willkommen. Oh, da ist ja noch die Wäsche in der Waschmaschine, der Geschirrspüler ist fertig und sollte ausgeräumt werden, ich wollte doch schon so lange mal nach diesem und jenem googeln, das muss ich schnell machen, bevor ich es wieder vergesse. Tja, das ist dann alles wichtiger und am Ende des Tages ärgere ich mich über mich selbst, bin streng zu mir – schon wieder hast du die Stille nicht ausgehalten.

Aber was bedeutet es denn, wenn es still wird?

Wenn es still wird, werden die Gedanken lauter, Gefühle tauchen auf, die womöglich nicht gefühlt werden wollen, die Angst machen oder sich schlecht und ungut anfühlen. Innere Unruhe kann auftreten und wie bei mir der Fall, das Gefühl unnütz und unproduktiv zu sein und seine Zeit zu vergeuden. Wir sind es so gewohnt, ständig mit Reizen, Informationen und Aufgaben beschäftigt zu sein, dass sich Stille ungewohnt anfühlt.

„Beruhige den Geist und Deine Seele wird zu Dir sprechen.“

Und was kann man tun, um besser in die Stille zu kommen? Ich habe mich ein wenig damit beschäftig und teile hier, was ich für mich versuchen und umsetzen möchte.

Mit kurzen Einheiten starten. 2-5 Minuten still sitzen, kein Handy, kein Ziel – ohne Druck. Wenn das gut funktioniert, langsam steigern.

Einen sanften Anker setzen. Zum Beispiel den Atem beobachten, aus dem Fenster sehen, Geräusche wahrnehmen oder bewusst eine warme Tasse Tee trinken.

Die Stille ist oft unangenehm, Gedanken kommen, drück sie nicht weg. Nimm sie war, aber analysiere sie nicht. Bemerke den Gedanken “Ah, da ist ein Gedanke” und lasse ihn dann wie eine Wolke weiterziehen, bis der nächste Gedanke kommt. Gedanken dürfen sein, werde dir deren bewusst und schick sie liebevoll weiter. Sei nicht hart zu dir, wenn du dir bewusst wirst, dass du in Gedanken versunken warst. Es ist OK, du hast es bemerkt und versuchst es von Neuem.

Wenn es unangenehm wird, lohnt es sich zu fragen: Kommt Langeweile? Kommt Angst? Kommt Traurigkeit oder Leere?

Den Körper runterfahren, denn der Körper beruhigt den Kopf. Versuche längeres ausatmen als einatmen (6 Sekunden ausatmen, 4 Sekunden einatmen). Schultern lockern, zum Beispiel mit hochziehen und anspannen und dann alles loslassen.

Gib deinem Hirn eine minimale Aufgabe, das könnte anfangs helfen. Zum Beispiel zählst du, wie viele verschiedene Geräusche du hören kannst, oder wie viel verschiedene Farben du im Raum entdecken kannst, wie fühlt sich ein bestimmtes Körpterteil an, zum Beispiel dein rechter Fuß?



In die Stille zu gehen und sie zuzulassen muss geübt werde, es ist wie ein Muskel der trainiert werden muss. Wie bei allem, braucht es ein wenig Disziplin.

Warum ist Stille so wichtig?


Stille ist wichtig für Körper als auch für den Geist. Stille reduziert Stresshormone, beruhigt die Herzfrequenz und die Atmung und gibt deinem ganzen Körpersystem die Möglichkeit sich zu regulieren. Wenn du dir keine Pausen gönnst bist du unter konstanter Daueranspannung und merkst es oft nicht mal.
Kreative Ideen, Problemlösungen, Selbstreflexion passieren oft wenn es still und “langweilig” wird. In der Stille wird dir erst klar, wie du dich gerade wirklich fühlst. Bin ich glücklich? Bin ich erschöpft? Was fehlt mir eigentlich?
Und wenn du mal die Stille und Langeweile aushalten kannst, passiert womöglich etwas sehr schönes – du bist nicht mehr abhängig von Dauerbeschäftigung, Ablenkungen und äußerer Bestätigung. Denn Stille macht freier und lässt dich, dein wahres Selbst erkennen.

Na, machst du mit? Jeden Tag 5 Minuten Stille.

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published. Required fields are marked *